Unsere Veranstaltungen
Literarisch, musikalisch und nicht nach dem Geschmack von Jedermann
• Brechts »BAAL«
 
 
• Gesänge entlang der Angst
    »Als mich die Nachricht Hans Magnus Enzensbergers, dass die Literatur tot sei, erreichte, konnte ich mich nicht weiter aufregen: ich lag angeschnallt in der Nervenklinik.« Wilhelm E. Liefland hat in der Klapsmühle wieder angefangen, Poesie zu schreiben, die Jens Paul Wollenberg in diesem Programm interpretiert. Es entstehen Bilder im Kopf, die durch eigene Texte und Lieder von Uta Pilling ergänzt werden. Die Realität und das Surreale werden übereinander geschoben, nicht zur Deckung gebracht, um ein phantastisches Gemälde zu entwerfen.
• »Woyzeck« von Georg Büchner
    eine szenische Lesung mit Jens Paul Wollenberg

    Historisches Vorbild für den Büchnerschen Woyzeck ist der am 3. Januar 1780 in Leipzig als Sohn eines Perückenmachers geborene Johann Christian Woyzeck. Er erstach am 2. Juni 1821 die 46-jährige Witwe Johanna Christiane Woost in einem Hausflur in der Leipziger Sandgasse aus Eifersucht. Im Prozess erstellte der Medizinprofessor Johann Christian August Clarus zwei Gutachten über die Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten. Woyzeck wurde nach einem langen Verfahren, in dem sich sogar der sächsische Thronfolger mit einem Gutachten für ihn einsetzte, verurteilt und am 27. August 1824 auf dem Marktplatz in Leipzig öffentlich hingerichtet.

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JPWollenberg & das Richtbeil
JPWollenberg & das Richtbeil
 
• Chansons und Charles Bukowski, Teil 2
    Lebenserfahrungen und lebensphilosophische Ansätze klingen in den Texten von Charles Bukowski heraus, sind sie manchmal auch vulgär - was von Bukowski immer erwartet wird. Volly Tanner liest neue Texte und Jens Paul Wollenberg, begleitet von Valeri Funkner, bringt neue und alte Texte zu Gehör. Dieses lustvolle Zusammenspiel der drei Künstler sollte keiner versäumen. Es bringt lichtvolle Freude in den manchmal tristen Alltag.

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• »Die Räuber« eine szenische Lesung in drei Akten nach Friedrich Schiller; eingerichtet von Achim Richter

    Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen,
    Die Sonne stand zum Gruße der Planeten,
    Bist alsobald und fort und fort gediehen
    Nach dem Gesetz, wonach du angetreten.
    So musst du sein, dir kannst du nicht entfliehen,
    So sagten schon Sybillen, so Propheten,
    Und keine Zeit und keine Macht zerstückelt
    Geprägte Form, die lebend sich entwickelt.

    »Dear Mister Shakespeare, Sir,
    ich, Karl Moor, möchte Ihnen eine Geschichte, eine wahre Geschichte, meine Geschichte erzählen, jetzt, da ich im Kerker liege und auf das Schafott warte. Die Geschichte kann ich nur fragmentarisch darstellen und ich kann sie nur von drei Personen erzählen, von drei handelnden Personen - von Franz, meinem Bruder, und von Spiegelberg, meinem Weggenossen, und von mir. Ich erzähle von ihren Leidenschaften und deren Auswirkungen, denn erst jetzt kann ich die miteinander verwobenen Schicksalsfäden erkennen, das Handeln beschreiben und im Nachhinein werden die Unfreiheiten und die Engstirnigkeiten des Daseins und die Unveränderlichkeit des Seins deutlich. ...«

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Volly Tanner im Commune-Programm
Volly Tanner im Commune-Programm
• Lieder der Pariser Commune und Brecht

    Not und Elend, Intrigen gegen das Volk und der Wunsch nach Selbstbestimmung und Freiheit kommen in den Liedern der Pariser Commune zum Ausdruck. Nach original Texten (dt. übersetzt) und Noten werden die Lieder mit Textteilen von Bert Brecht konfrontiert.
    Nach dem lustvollen Zusammenspiel der drei Interpreten Wollenberg, Tanner und Funckner mit Cha Cha 2, gibt es hier eine ernsthafte Darstellung früherer Zeiten.

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• Ein Bericht an eine Akademie. Szenische Lesung

    »Hohe Herren von der Akademie!
    Sie erweisen mir die Ehre, mich aufzufordern, der Akademie einen Bericht über mein äffisches Vorleben einzureichen.
    In diesem Sinne kann ich leider der Aufforderung nicht nachkommen. Nahezu fünf Jahre trennen mich vom Affentum, eine Zeit, kurz vielleicht am Kalender gemessen, unendlich lang aber durchzugaloppieren, so wie ich es getan habe, streckenweise begleitet von vortrefflichen Menschen, Ratschlägen, Beifall und Orchestralmusik, aber im Grunde allein, denn alle Begleitung hielt sich, um im Bilde zu bleiben, weit von der Barriere.«

    Den Kafka-Text liest Jens Paul Wollenberg in gekonnt kafkaesker Art.

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JPWollenberg in Hamlet-Pose
JPWollenberg in Hamlet-Pose
• »Hamlet«

    Jens Paul Wollenberg, der wortgewaltige, wortwitzige Wortspieler, entführt uns erneut in die Welt der Klassik. Nach Kafka [Bericht an eine Akademie, Die Verwandlung, In der Strafkolonie], Bertolt Brecht [Baal], Friedrich Schiller [Die Räuber], steht William Shakespeare's Hamlet auf dem Plan. Es wird ein Hamlet präsentiert, der seine Ängste, seine Unentschlossenheit, den Prozess der Schicksalsergebenheit, auf eine unterhaltsame Art wortreich darstellt.

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• »Deutschland. Ein Wintermärchen«

    »Denk ich an Deutschland in der Nacht,
    Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
    Ich kann nicht mehr die Augen schließen,
    Und meine heißen Tränen fließen.«

    So beginnt Heines Gedicht »Nachtgedanken«, das im Sommer 1843 entstand.
    Die Sorge um die politische Entwicklung in der Heimat, die ihm den Schlaf raubte, und die Sehnsucht, seine 72 Jahre alte Mutter wiederzusehen, waren die Gründe, die ihn veranlaßten, wenige Monate später seinen Aufenthalt im selbst gewählten französischen Exil zu unterbrechen und nach Deutschland zu reisen. Aus den Eindrücken dieser Reise, die über Brüssel, Amsterdam und Bremen nach Hamburg und auf der Rückfahrt nach Hannover, Minden, Paderborn, Köln und Aachen führte, entstand »Deutschland. Ein Wintermärchen«, eine der bedeutendsten politischen Dichtung in deutscher Sprache. Heine verflocht hier nicht nur mit großer Kunst Komik und Pathos, Elegisches und Humor miteinander, er übte vor allem ätzende Kritik an den politischen und gesellschaftlichen Zuständen Deutschlands, das, wie er ahnte, am Vorabend einer politischen Erhebung stand.

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Jörg Maaß, Heine rezitierend
Jörg Maaß, Heine rezitierend
 
• Morgue (Leichenschauhaus) und andere Gedichte
    Expressionistische Gedichte der Zeit von 1912 - 1921 und späte Lyrik der fünfziger Jahre (1947 - 1955) von Gottfried Benn

    Dem Beginn einer vier Jahrzehnte umspannendes Schaffensperiode mit expressionistischen Gedichten aus dem Leichenschauhaus (Benn war Arzt) sollen Gedichte der letzten Lebensjahre gegenübergestellt werden.
    In seinen wirklich großen Gedichten bringt Benn das bürgerliche 19. Jahrhundert, das zugleich das naturwissenschaftliche Jahrhundert gewesen ist, auf radikalere Weise zu Ende als alle Schriftsteller vor ihm. Mit gewissen Elementen, die aus der Balladentradition stammen: deren Raffungs- und Beschleunigungstechniken, deren Sprunghaftigkeit und syntaktische Verkürzungen, deren alltagssprachliches »realistisches« Vokabular überträgt Benn aus dem längeren, meist reimgebundenen Erzählgedicht in die kleinere Form seiner vor Sarkasmus oder Emphase vibrierende Zeilengedichte. In seinem ersten Schaffensjahrzehnt kommt ein allgemeines Krisenbewußtsein zum Durchbruch, ein Krisenbewußtsein, das vor allem die Kunst selbst mit erfaßt. In seinem letzten Schaffensjahrzehnt wandelt sich seine Zeitkritik - unter spürbarer Entspanntheit und Bewahrung des Formenreichtums der vorangegangenen Werkepoche - von Polemik in Ironie, der Abstand von lyrischem und empirischem Ich verringert sich. Das Problem des Altern ist nicht nur Gegenstand der späten Bennschen Prosa, sondern auch Gedichtmotiv, und häufiger als zuvor meldet sich die Frage nach dem Anderen, dem Nebenmenschen an: dem Künstler-Ich, das sein Außenseitertum, seine durch Schicksal und Auftrag verhängte Isolierung akzentuiert hatte, waren die Anderen primär Objekt und als Teil der im Ich-Ausdruck zu überwindenden Lebenswelt im Wege. Jetzt heißt es z.B. in einem Text von 1959: »Du hast dich zwar gerettet / aber WEN rettest du?« fragt er in dem Gedicht Die Gitter. Jens Paul Wollenberg ist der Künstler, der die Texte nicht nur interpretiert und engagiert vorträgt, sondern, da sein Schaffen parallele Züge aufweist, Bruder im Geiste ist.

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• Ein Abend mit Liedern des Barock und der Romantik
    Monika Meier-Schmid
    studierte zunächst Querflöte in Stuttgart, anschließend Gesang an den Musikhochschulen in Freiburg und Karlsruhe. Sie ist Preisträgerin des Hans-Pfitzner-Liedwettbewerbes in Hamburg, konzertierte in ganz Europa, den USA, Korea, Israel, Japan, Südamerika und der ehemaligen UdSSR und hat bei zahlreichen Festivals mitgewirkt: Salzburger Festspiele, Kasseler Musiktage, Internationale Festspiele Baden-Württemberg, Tage alter Musik Stuttgart, Tage für Neue Musik Zürich und Stuttgart, Kölner Triennale, Münchener Biennale u.v.a. Ihre Rundfunk- und CD-Produktionen sind z.T. mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet worden und seit 1996 ist sie Professorin für Gesang in Magdeburg.
    Berthold Schmid
    studierte Schulmusik, Klavier und Gesang an den Hochschulen in Stuttgart, München und Freiburg. Seit 1981 ist er als freiberuflicher Sänger tätig, der sich neben dem klassischen Repertoire in Oper, Lied und Oratorium auch der Neuen Musik verpflichtet fühlt. Tourneen durch ganz Europa, Japan, Korea, Israel und Südamerika, sowie Gastspiele bei bedeutenden Festivals wie "Warschauer Herbst", "Internationales Festival Bergen", Weltmusiktage, "Festival Estival" weisen ihn als renommierten Opern- und Oratoriensänger wie auch als engagierten Liedinterpreten aus. Von 1989 bis 2003 lehrte er als Professor an der Musikhochschule in Dortmund und seit 2003 an der Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy" in Leipzig.

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Lieder des Barock zur Weihnachtszeit
Lieder des Barock zur Weihnachtszeit
 
• Noise Of The City

    George Grosz wurde gleichermaßen von seiner eigenen Natur, Entwicklung und Umgebung geprägt, wie auch von seiner Epoche. Sein Werk ist Ausdruck des Augenblicks: der sinnlichen, alle Hüllen durchscheinenden Vorstellungskraft und Wahrnehmung, der Lust und des Ekels, des Hasses und der Trauer, aber auch seines durch Phantasie und Wissen vermittelten Weltbildes. 1915 überraschte der junge Zeichner und Maler George Grosz mit seinen Gedichten und Gesängen, die die Leser und Hörer entzückten oder schockierten.
    Der exzentrische und exzessive Wortausspeier Jens Paul Wollenberg wird gemeinsam mit Harald Bohner, Gitarre, dieses expressionistische und wortgewaltige Werk von George Grosz auf die Bühne bringen.

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• ... aus den Kasematten des Schlafs

    Die dichterische Magie wird durch die Verwirklichung der Imagination die Realität und das menschliche Leben verwandeln, erweitern und potenzieren, so das Credo der tschechoslowakischen Surrealisten 1937. Wortspiele, Wortimaginationen sollen - in der Zeit von Worthülsen - das Tor zu einem neuen Wunderbaren aufstoßen, zu einer künstlerischen Betrachtung der Lebenswirklichkeiten.
    Jörg Maaß und Mak Kiselev lesen wortreich die phantasievollen Wortgebilde tschechoslowakischer Surrealisten.

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Das Trio zum Jazz
Das Trio zum Jazz
• Wollenberg goes jazz

    Drei Musiker ohne Kontrabass, warteten auf die Straßenbahn und erzählten sich was, da kam der Wollenberg vorbei, ja, was ist denn das, drei Musiker ohne Kontrabass. Sie kammen ins Erzählen, der eine von seinen Gitarrenkünsten mit Luftgriffen und kehligen Lauten, der andere griff auf dem Gitarrenkasten in die Tasten und der Dritte im Bund trommelte den Takt dazu. Der Jens, ja, der kennt´s, und brachte seine Stimme, Laute und Töne, mit Texten, die er zuletzt gelesen, von Kinski, Faßbinder, Liefland und Heiner Müller zu Gehör ... und es kam wie es kommen mußte, das war nicht schwer, in einer Straßenbahnhalte-stelle wurde ein Projekt geboren, auf der Stelle. So entstand das JazzProjekt Tram stop, feat. Jens Paul Wollenberg.
    Die Anziehungskraft, die von dem Projekt ausgeht, ist deswegen so groß, weil der Besucher mit den vielen Beispielen des unterschiedlichen Schaffens von Wollen-berg konfrontiert wird, um dann die Zusammenfassung und die Steigerung aller bis dahin wahrgenommenen Möglichkeiten neuer Ausdrucksweisen erleben zu können.

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• »Der kleine Prinz« von Antoine de Saint-Exupéry

    Er kommt - ohne Geschenk und Versprechungen, allein mit der Gabe seiner herzlichen Einfalt - von einem anderen Stern zu uns, kommt, weil er einen Freund sucht; und er findet ihn mitten in der Wüsteneinsamkeit in dem Dichter, der sein Freund und geistiger Vater wurde: Antoine de Saint-Exupéry.
    Ist er, der kleine Prinz, beglückt von dem Erlebnis der Freundschaft mit diesem aufrechten und warmherzigen Menschen, wirklich zurückgekehrt auf seinen fremden Planeten? Ist er nicht heute noch mitten unter uns, begegnet er uns mit seinem grenzenlosen Vertrauen nicht immer wieder im glücklichen Lachen eines Kindes, im beharrlichen, tiefgründigen Ernst einer kindlich unschuldigen Frage? Unbemerkt tritt er zu uns an den Schreibtisch, an die Werkbank, in die Familien und in die Schulzimmer; leise klopfend begehrt er Einlass immer weiter, immer tiefer in die Menschenherzen, ehe sie sich vor Gram und Enttäuschung, Einsamkeit und Freudlosigkeit verschließen und verhärten.
    Möchte er, wie er den Verirrten und Einsamen in der Wüste fand, den Weg zu ihnen allen finden, den Hoffnungslosen und Gestrandeten, Verzweifelten und Trostbedürftigen! Sie alle sollen die Gewißheit haben, daß er noch heute unterwegs ist auf der Suche nach dem Freund, nach dem brüderlichen Du im Menschen.

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D. Nikolai, V. Tanner, JPWollenberg
Dörthe Nikolai, Volly Tanner & JPWollenberg bei anarchistischer Abendunterhaltung
• »Steppenwolf« nach Hermann Hesse
· als szenische Lesung eingerichtet von Achim Richter ·

    »Wie du, Vorfahr und Bruder, geh auch ich
    Im Zickzack zwischen Trieb und Geist durchs Leben,
    Heute Weiser, morgen Narr, heute inniglich
    dem Gott, morgen heiß dem Fleisch ergeben.«

    Die Metapher vom »Zickzack zwischen Trieb und Geist« verdeutlicht die subjektive Problematik des Dichters und charakterisiert den Roman als »Buch der Lebenskrise, der Künstlerkrise, der Gesellschaftskrise«. Der Dichter als ein einst zurückgezogener lebender Mann, der sich im mittleren Alter für gesellschaftliche Anlässe zu interessieren beginnt, exzessiv Alkohol konsumiert, Jazzmusik hört und tanzen lernt, mit Frauen anbändelt und sich kurzen Liebesverhältnissen hingibt; die Dichotomie in seinem Wesen, sein Zerrissensein zwischen eigenem hohen Anspruch und allzu gewöhnlicher Wirklichkeit, sein Leben im »Zickzack« zwischen Bürgertum und dem idealisierten Künstlertum der »Unsterblichen«.

    Hallers Seelenkrankheit ist nicht die Schrulle eines einzelnen, sondern die Krankheit der Zeit selbst, die Neurose jener Generation, welcher Haller angehört, und von welcher keineswegs nur die schwachen und minderwertigen Individuen befallen werden, sondern gerade die starken, geistigsten, begabtesten ...

    Haller gehört zu denen, die zwischen zwei Zeiten hineingeraten, die aus aller Geborgenheit und Unschuld herausgefallen sind, zu denen, deren Schicksal es ist, alle Fragwürdigkeiten des Menschenlebens gesteigert als persönliche Qual und Hölle zu erleben.

    Passt doch in das Heute, oder?

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• Hermann Hesse: Krisis-Zyklus (1928)
    Hermann Hesse (geb. 07.08.1877 - gest. 09.08.1962, 1946 Nobelpreis der Literatur)

    Das Gedicht ist in seinem Entstehen nach eine Entladung, ein Ruf, ein Schrei, ein Seufzer, eine Gebärde, eine Reaktion der lebenden Seele, mit der sie sich eine Wallung, eines Erlebnisses zu erwehren oder ihrer bewusst zu werden sucht. Verse sind für Hesse »Tanzschritte der Seele, Wunschbilder und Zauberformeln« mit Heilkraft. Was für den Komponisten Einfall und Thema sind, die dann symphonisch orchestiert, abgewandelt und entwickelt werden, ist für Hesse seine Lyrik, deren Motive kurze Zeit später in Erzählungen und Romanen wiederkehren, mit epischen Mitteln angereichert und in Handlungsverläufe verwoben.
    Für Hesse ist alles Scheiben und insbesondere seine Lyrik zunächst etwas ganz Persönliches und Privates, ist »Spiegelung der Welt im vereinzelten Ich, Antwort des Ich auf die Welt, ist Klage, Besinnung und Spiel einer ganz und gar bewusst gewordenen Vereinsamung«.

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• Albert Camus: Der Abtrünnige (1957)
    Albert Camus (geb. 07.11.1913 -gest. 04.01.1960, 1957 Nobelpreis der Literatur)

    Camus steht in der Tradition skeptischer Aufklärer und Aktivisten, wie etwa im deutschen Sprachraum Georg Büchner und Heinrich Heine, wie Heinrich Mann oder Ernst Troller. Seine Philosophie der skeptischen Ethik und Revolte hat er vorgelebt, und er hat offen gesagt und geschrieben, was heute hilfreich sein kann, wo ringsum die Verunsicherheit wächst. Camus war ein hartnäckiger Verteidiger des Einzelnen - und doch immer mit allen Leidenden und Unterdrückten solidarisch: »solitaire« und »solidaire«, das ist das Motto seines Lebens und seiner Arbeit, wie er selbst formuliert hat.
    Camus' Werk lehrt es eindringlicher denn je gerade heute: diese Welt wird nur überleben, wenn sie sich Schritt für Schritt und sehr bald den Grundwerten annähert, die in diesen Tagen wiedergewonnen und zur Erkenntnis werden, vom Wahnsinn des Kriegs angefangen bis zur Solidarität mit der Dritten Welt und der Art und Weise, wie die Menschen künftig mit dieser Erde umgehen, ob sie sie weiter für das, was sie Fortschritt und Wachstum nennen, zerstören und ausbeuten wollen oder endlich damit beginnen, mit ihr solidarisch zu sein.
    »Leben heißt das Absurde leben lassen. Das Absurde leben lassen heißt: ihm ins Auge sehen ...«

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• Franz Kafka: Die Verwandlung

    Die Verwandlung ist das Ende von Gregor Samsas menschlicher und beruflicher Existenz, eine Auseinandersetzung mit seiner Lebensweise, seinem Verhältnis zu seinem Beruf als Handlungsreisender/Vertreter und der Verbindung zu seinen Eltern und seiner Schwester.
    Das allmähliches Sterben und der Tod Gregors zeigt sich durch das schwindendes Interesse am Leben in und mit der Familie - damit eingehend der körperliche Niedergang und Tod.
    Das Ungeheuerliche wird detailliert und sachlich, fast im Stile eines nüchternen Tatsachenberichts geschrieben. Die emotional regungslose Art der Erzählung und die Unfassbarkeit des Inhalts des Erzählten bilden einen scharfen Kontrast, welcher dem Unmöglichen die Qualität der Selbstverständlichkeit und des Alltäglichen zuschreibt. Fantastik und realistische Darstellung vereinen sich und sind nicht voneinander zu trennen.
    Jens Paul Wollenberg, der schon in eindrucksvoller Weise den Affen im »Bericht an eine Akademie« nicht nur zu Gehör gebracht hat, sondern auch ergreifend und realistisch darstellte, findet in Gregor Samsa eine weitere Figur aus Kafkas Schaffen, der er versteht, die Lebensnot oder Lebenslüge offensichtlich einzuhauchen.

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• Honoré de Balzac: Oberst Chabert
    für szenische Lesung eingerichtet von A. Richter
    gelesen von Jens Paul Wollenberg

    Was macht ein ehrenwerter Mann in Zeiten, in denen die Ehrlosigkeit vorherrscht? Wie soll ein mutiger und selbstaufopfernder Mensch leben, wenn solche Eigenschaften verschmäht werden, ja wenn man nur dank Korruption, Rücksichtslosigkeit und Geld zu Macht und sozial geachteter Stellung gelangen kann?
    Vielleicht denkt der Leser jetzt, wir sprechen über das Jahr 2000 - vielleicht tun wir das sogar! Aber jener Roman von Honoré de Balzac spielt vor 200 Jahren im frühen 19. Jahrhundert. Es war die Zeit nach der Niederlage Napoleons in der Schlacht von Waterloo, als die alte Aristokratie und die neue Bourgeoisie, die die Französische Revolution hervorgebracht hatte, ein Bündnis schlossen, um sich auf Kosten der verarmten Bevölkerung zu bereichern.
    Im Zentrum der tragischen Handlung steht der Konflikt zwischen der sozialen Schicht der Neureichen, repräsentiert durch die Gräfin Ferraud, und den armen Klassen, zu denen unserer ehemaliger Graf Chabert hinabgesunken ist. »Der Aufschwung der Industrie auf kapitalistischer Grundlage erhob Armut und Elend der arbeitenden Massen zu einer Lebensbedingung der Gesellschaft. Die bare Zahlung wurde mehr und mehr das einzige Bindeglied der Gesellschaft. … An die Stelle der gewaltsamen Unterdrückung trat die Korruption, an die Stelle des Degens, als des ersten gesellschaftlichen Machthebels, das Geld.«
    Ja, wir könnten über das Jahr 2000 sprechen – deshalb die Premiere am 10. November 2007

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• Sebastian Lohse & Clemens Pötzsch: »Gegen den Strich«
    Man nehme eine Prise Chanson, einen Hauch romantisches Lied und würze das Ganze mit der Intensität eines Protestsongs: genau diese ungewöhnliche, doch sehr eindringliche Mischung macht die Musik von Sebastian Lohse aus, gepaart mit einer außergewöhnlichen Stimme, die mit ihrer Klarheit und perfekten Intonation zu überzeugen weiß.
    Verpflichtet dem Lebensgenuss sowie der Kritik an änderbaren Katastrophen wie Krieg, Entfremdung, Intoleranz und Denkfaulheit wollen sie den Hörer zum Denken und Handeln anregen. »Lasst es uns doch wieder wagen, das, was schön ist, zu ertragen« so heißt es in einem der Lieder, die in der Tradition der französischen Troubadours und Interpreten wie Jaques Brel, Brassens, Ferré und Ferrat stehen, aber auch im politisch-satirischen Chanson der 20er Jahre à la Tucholsky, Brecht und Kästner verwurzelt sind.
    Am 1. November 2008 um 20 Uhr haben Sebastian Lohse und Clemens Pötzsch neben eigenen Liedern auch Lieder und Texte von Aristide Bruant, Bertolt Brecht und anderen Vorbildern auf die Bühne gebracht. Eine einmalige Mischung für die Stötteritzer Margerite und ihre Markthalle: vergnüglich, bissig, nicht ohne Hoffnung.
    Mehr Informationen & Bilder über den »schauspielernden Sänger und singenden Schauspieler« Sebastian Lohse sind auf seiner Website zu finden:
    siehe –> Links

Sebastian Lohse (re.) & Clemens Pötzsch
Sebastian Lohse (re.) & Clemens Pötzsch

• Grand Prix de Tschastuschki
    Reime & Wodka gegen die soziale Kälte!!!

    Tschastuschki sind vierzeilige Spottlieder, übermütige, gereimte kurze Fiesheiten gegen das derzeitige Ungemach aus den Hirnen der Herrschenden. Da darf verbal auch mal richtig hingelangt werden. In Russland sind diese Lieder schon seit Jahrzehnten gefeiertes Volksgut und im Erstarken der weltweiten Krise beliebt wie immer in dunklen Zeiten.
    Tschastuschki sind Ventil und Kampfansage, Befreiung von der Hilflosigkeit und Widerstand. Mit Tschastuschki meistern die Russen die Krise – sie singen und lachen sie einfach weg. Deshalb wird’s, mindestens solang die Krise anhält, alle drei Monate in Leipzig den TSCHASTUSCHKI GRAND PRIX FÜR DEUTSCHLAND in der Stötteritzer Markthalle geben.

• Das 7. Literaturspektakel
… einfache Menschen in einer nicht so einfachen Welt …
Texte & Szenen aus | von | mit:

    FROST · von Thomas Bernhard, Lesung mit Malte Cordes
    ANNA LIVIA PLURABELLE · von James Joyce, Lesung mit Jörg Maaß
    WOYZECK · von Georg Büchner, szen. Lesung mit JPWollenberg
    WEISSMANN UND ROTGESICHT · von George Tabori, Lesung mit Volly Tanner
    WARTEN AUF GODOT · von Samuel Beckett, szen. Spiel & Lesung mit Dörthe Nikolai & Jörg Maaß
    DIE LEGENDE VOM HEILIGEN TRINKER · von Joseph Roth, szen. Lesung mit JPWollenberg
    WINTER · von Jon Fosse, szen. Lesung mit Dörthe Nikolai & Volly Tanner
    SELBSTBEZICHTIGUNG · von Peter Handke, Sprechstück mit Dörthe Nikolai & Malte Cordes

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